Am 22. April 2026 fanden erstmalig die VNZV-Mitgliederversammlung und der VNZV-Medienkongress, die ehemalige Anzeigen-, Vertriebs-, Online- und Redaktionsleitertagung) gemeinsam in Adendorf bei Lüneburg statt.
Der VNZV-Vorsitzende Jochen Anderweit ging in seiner Rede auf die zentrale Bedeutung des Lobbyings in Niedersachsen ein, dessen Nutzen lange infrage gestellt worden sei. Während unter Ministerpräsident Stephan Weil Gespräche oft folgenlos blieben, habe sich die Situation mit dem neuen Ministerpräsidenten Olaf Lies deutlich verbessert. Erste konkrete Ansätze, etwa ein gemeinsames Medienkompetenzprojekt an Schulen, zeigten Fortschritte, auch wenn die Umsetzung noch unklar sei und weiterhin politisches Nachhaken erfordere.
Der Vorsitzende betonte, dass beharrliches Engagement notwendig sei, um politische Unterstützung zu erreichen. Insgesamt habe sich gezeigt, dass Lobbyarbeit weiterhin unverzichtbar sei. Er ging auf den medienpolitischen Dialog mit der Landesregierung, den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, dem privaten Rundfunk und den Verlagen ein, bei dem Kooperationen, Medienkompetenz und eine mögliche „landeseigene“ Digitalabgabe für große Tech-Unternehmen diskutiert worden seien. Dabei wurde deutlich, dass Kooperationen nicht von oben verordnet werden könnten und ein stärkeres Vorgehen gegen Big Tech von allen Beteiligten gefordert werde.
Ein weiteres Thema in der Rede des Vorsitzenden war die Zusammenarbeit mit dem NDR. Grundsätzlich bestehe Einigkeit in Bezug auf gemeinsame Herausforderungen wie etwa die Regulierung großer Plattformen und die Vermittlung von Medienkompetenz. Der Vorsitzende unterstrich die Rolle des Lokaljournalismus für die Demokratie, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Kampf gegen Desinformation. Aktionen wie der „Tag des Lokaljournalismus“ sollten diese Bedeutung sichtbar machen und die Nähe zum Publikum stärken. Er ermunterte alle Mitglieder, sich allen Aktionen an diesem Tag anzuschließen.
Wirtschaftlich stehe die Branche vor großen Herausforderungen, so Jochen Anderweit weiter. Steigende Kosten und rückläufige Printauflagen belasteten die Erlöse der Verlage und führten zu einem erhöhten Konsolidierungsdruck. Die Digitalisierung, neue Erlösmodelle und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz böten Chancen für die Verlage, um die Erlöse zu stabilisieren und die Verluste in Print zu einem geringen Teil auszugleichen. Die Debatte um eine Digitalabgabe für große Plattformen sei als wichtiger Schritt zur faireren Wettbewerbsordnung hervorzuheben.
Abschließend betonte der Vorsitzende die Notwendigkeit eines selbstbewussten Auftretens des Verbandes sowie die Bedeutung der Zusammenarbeit mit anderen Verbänden. Er dankte den Mitwirkenden im Verband, insbesondere den Kollegen im Vorstand sowie den Mitarbeitern der Geschäftsstelle und dem langjährigen Geschäftsführer Stefan Borrmann.
Stefan Borrmann wies darauf hin, dass der aktuelle Geschäftsbericht auf rund 60 Seiten alle wesentlichen Sachverhalte des Verbandes zusammenfasse.
Mit Blick auf die Entwicklungen in der Staatskanzlei führte er aus, dass es personelle Veränderungen gebe: Ministerpräsident Olaf Lies werde als verbindlicher wahrgenommen als sein Vorgänger. Auch der neue Chef der Staatskanzlei, Frank Doods, agiere anders als Dr. Mielke. Zudem verfüge der neue Rundfunkreferent Victor Neumüller über mehr juristischen Sachverstand als zuvor C. Rohrbach.
Zum Thema Hörfunk erläuterte Stefan Borrmann, dass es in Niedersachsen keinen landesweiten Privatfunkverband gebe, sondern lediglich eine Vertretung für lokale kommerzielle Veranstalter. Man befinde sich jedoch gemeinsam mit den drei landesweiten Veranstaltern in Gesprächen mit der Staatskanzlei und der NLM, insbesondere vor dem Hintergrund der bevorstehenden Ausschreibung und Neu-Zuweisung von UKW-Frequenzen.
Als einen Miterfolg des Verbandes hob er die Anhebung der Förderung für Schulungsmaßnahmen im Qualitätsjournalismus auf bis zu 10.000 Euro hervor. Zudem sei die Pflicht zur Vorlage von drei Vergleichsangeboten entfallen. Die Antragsfrist der aktuellen Förderrunde bei der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) laufe noch bis zum 12. Mai um 12 Uhr.
Im Hinblick auf einen bevorstehenden möglichen Umzug der Geschäftsstelle wies er darauf hin, dass sämtliche Materialien wie Protokolle und Rundschreiben rückwirkend von 2000 bis zur Gründung im Jahr 1955 digitalisiert worden seien. Damit könne die Geschichte des Verlegerverbandes lückenlos nachvollzogen werden.
Abschließend dankte er dem Vorsitzenden Jochen Anderweit für die stets reibungslose und zielorientierte Zusammenarbeit im Jahr 2025, den Vorstandsmitgliedern für den konstruktiven Austausch, den Ausschussmitgliedern für die engagierten Fachdiskussionen sowie seinen Mitarbeitern in der Geschäftsstelle, Tina Hummerich und Volkhard Schuster, für deren Unterstützung.
Der BDZV-Hauptgeschäftsführer und Vorsitzende Dr. Jörg Eggers informierte über die aktuellen medienpolitischen Themenfelder des Bundesverbandes. Neben den akuten, kurzfristig zu bearbeitenden Themen wie Telefonwerbung, Krankenkassenbeiträge für Zusteller, die Mehrwertsteuerproblematik sowie den Medienregulierungsbestrebungen auf EU-Ebene gebe es auch die „Dauerbrenner“-Themen wie z.B. die Plattformregulierung.
Mit einem kurzen Blick in den BDZV-Maschinenraum ging er auf die bereits durchgeführten Veränderungen im BDZV ein: Absenkung der Mitgliedsbeiträge, Einführung einer neuen am Umsatz orientierten Beitragsordnung, weiteren Anpassungen und Optimierungen der Beitragsordnung, die Diskussion über die Mitgliedschaft reiner Digitalmedien und weitere erforderliche Satzungsänderungen.
Beschluss zu personellen Veränderungen im VNZV
Der VNZV-Vorsitzende ging auf die Notwendigkeit einer personellen Veränderung in der Verbandsgeschäftsstelle ein und stellte die Diskussionen darüber in der AG Strukturreform und im Gesamtvorstand vor. Im Zuge dieses Prozesses habe man mehrere Optionen beraten und sei schließlich zu der Überzeugung gelangt, dass eine Übernahme von Dienstleistungstätigkeiten durch Mitarbeiter der Unternehmerverbände Niedersachsen für die zukünftigen Anforderungen des Verbandes die beste Lösung darstellte. Der VNZV bewahre in dieser Konstellation seine rechtliche Selbstständigkeit. Christoph Meinecke, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, solle ab 1. Januar 2027 die Geschäftsführungstätigkeit im Verband in Teilzeit übernehmen. Herr Meinecke stellte sich den Mitgliedern des Verbandes ausführlich vor und wies auf seine vielfältigen Erfahrungen im Arbeitgeberverband hin.
Den Mitgliedern wurde folgender Beschlussvorschlag vorgelegt:
Beschlussempfehlung:
Der Gesamtvorstand empfiehlt der Mitgliederversammlung des VNZV, den Verband spätestens zum 1. Januar 2027 organisatorisch und personell neu aufzustellen. Bei Wahrung der rechtlichen Selbständigkeit des VNZV soll eine Kooperation mit den Unternehmerverbänden in Niedersachsen (UVN) und namentlich mit Herrn Christoph Meinecke als Teilzeit-Geschäftsführer des VNZV eingegangen werden.
Dies beinhaltet folgende Aspekte: Die Geschäftsstelle wird spätestens zum 1. Januar 2027 in den Räumlichkeiten der UVN eingerichtet. Stefan Borrmann wickelt bis zu diesem Zeitpunkt die Geschäftsstelle am Schiffgraben 17 in Hannover ab. Er wird spätestens zum 1. Januar 2027 als Geschäftsführer abgelöst. Herr Meinecke übernimmt zu diesem Zeitpunkt die Geschäftsführung in Teilzeit und ist insbesondere für die medienpolitischen Kontakte und die Leitung der Geschäftsstelle zuständig.
Der Geschäftsführende Vorstand beschließt zur Umsetzung der Vorgaben die notwendigen Maßnahmen.
Die Mitglieder stimmten der Beschlussempfehlung bei einer Enthaltung einstimmig zu.
Kollegenabend:
Auf Einladung des Medienhauses Lüneburg fand der Kollegenabend im Tagungshotel statt. Erster Höhepunkt des Abends war die Rede von Professor Dr. Klaus Schweinsberg, der die Weltordnung zwischen Lothar Matthäus und Karl Valentin in acht Thesen einordnete – ein launiger, aber anspruchsvoller Beitrag für die Zuhörer. Dann hatten sich die Gastgeber, Verleger Sven Fricke und Christian von Stern, einen besonderen kulturellen Leckerbissen einfallen lassen, der den rund 80 Gästen noch lange in Erinnerung bleiben dürfte: ein fast 90minütiger Auftritt von Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys. Der Auftritt der vierköpfigen Band begeisterte das Publikum, das sich mit stehenden Ovationen bedankte. Erst nach mehreren Zugaben wurden die Musiker von der Bühne gelassen.
Es war ein rundum gelungener Kollegenabend, für den wir uns bei Verleger Sven Fricke sowie allen Gesellschaftern herzlich bedanken. Hervorheben möchten wir aber auch den „künstlerischen Leiter“ Christian von Stern, der das richtige Händchen für einen stimmungsvollen und fröhlichen Abschluss des VNZV-Verbandstages hatte.



