Thomas Düffert: „Die nächsten drei bis fünf Jahre entscheiden über die nächsten drei bis fünf Jahrzehnte im Journalismus“

Auf der Medienkonferenz „The Future of German Media“ in Hannover stand die Zukunft des Journalismus im Mittelpunkt. Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck warnte eindringlich vor Gefahren für Demokratie und Pressefreiheit. Medien müssten die Demokratie mit „Entschlossenheit, Fantasie und Mut“ verteidigen, da Freiheit auch Risiken in sich berge. Er kritisierte besonders die Entwicklung in den USA, wo politische Führung kritische Medien delegitimiere. Außerdem warnte er vor dem wachsenden Einfluss von Tech-Milliardären aus dem Silicon Valley, die teilweise mit rechten Bewegungen kooperierten und den öffentlichen Diskurs auf sozialen Plattformen prägten. Dort dominiere oft ein polarisierendes, katastrophisches Weltbild. Gauck rief Journalisten dazu auf, genauer und differenzierter zu berichten, statt sich von schneller Empörung oder Häme treiben zu lassen. Gleichzeitig betonte er, dass demokratische Debatten zwar immer um Wahrheit ringen, aber eine gemeinsame Basis an unstrittigen Fakten notwendig sei.

Der Gastgeber der Konferenz, Thomas Düffert, CEO der Madsack Mediengruppe, stellte vor allem die wirtschaftlichen Herausforderungen der Branche heraus. Printauflagen sinken seit Jahren, während digitale Einnahmen zwar wachsen, aber nicht schnell genug, um die Verluste auszugleichen. Gedruckte Zeitungen würden zwar nicht vollständig verschwinden, könnten den Journalismus aber künftig nicht mehr allein finanzieren. Düffert meinte, die kommenden „drei bis fünf Jahre entscheiden über die nächsten drei bis fünf Jahrzehnte im Journalismus.“ Gleichzeitig kritisierte er die deutsche Medienpolitik: Bürokratie und langsame Entscheidungsprozesse würden den notwendigen Wandel eher behindern als unterstützen.

Zum Thema Künstliche Intelligenz äußerte sich Ezra Eeman, Innovationschef des niederländischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks Nederlandse Publieke Omroep. Er erklärte, dass KI bereits fest im journalistischen Alltag angekommen sei. Die Phase reiner Experimente sei vorbei, doch viele Systeme hätten weiterhin Probleme mit Genauigkeit und transparenter Quellenangabe und erfüllten noch nicht alle Erwartungen.

Der Medienunternehmer Holger Friedrich, Herausgeber der Berliner Zeitung, kritisierte in der Diskussion eine Entwicklung innerhalb des Journalismus selbst. Er sieht bei vielen jüngeren Journalisten ein „aktivistisches Momentum“ und bemängelte, dass komplexes Denken teilweise verloren gehe.

Dem widersprach Hendrik Lünenborg, Intendant des Norddeutschen Rundfunks. Er argumentierte, das Problem liege nicht nur bei jungen Journalisten, sondern in der gesamten Gesellschaft: Deutschland habe insgesamt ein Debattenproblem, weshalb man wieder lernen müsse, konstruktiv zu streiten.

Die Journalistin Victoria Reichelt betonte die Perspektive junger Mediennutzer. Entgegen verbreiteter Annahmen interessierten sich junge Menschen durchaus für Politik. Sie wendeten sich jedoch von Formaten ab, die sie als langweilig empfinden. Für erfolgreichen Journalismus sei deshalb entscheidend, politische Themen verständlich und ansprechend aufzubereiten.

Als zentrale Erkenntnisse der Konferenz kristallisierten sich zwei Punkte heraus: Vertrauen entsteht vor allem durch glaubwürdige Menschen hinter Medienmarken – und Journalismus muss relevant und interessant bleiben, um insbesondere jüngere Zielgruppen zu erreichen.

Quelle: „Hannoversche Allgemeine Zeitung“