Altverleger des „Harz Kurier“ im Alter von 85 Jahren verstorben

Er war einer der prägenden Köpfe der südniedersächsischen Zeitungslandschaft.

Eine kleine Buchdruckerei in der Herzberger Hauptstraße mit Setzkästen und Bleilettern, die sein Vater Erwin Jungfer 1950 pachtete und zehn Jahre später erwarb, legte den Grundstein für seinen unternehmerischen Werdegang. Der gebürtige Schlesier Sigfried Jungfer fand in Herzberg seine zweite Heimat, mit der er sich bis zu seinem Lebensende eng verbunden fühlte. 1954 trat er in den väterlichen Betrieb ein. Als Anzeigenberater, Abonnentenwerber, Drucksachenverkäufer und Techniker an der Druckmaschine erwarb er sich das Know-how, um als Verleger und Druckunternehmer erfolgreich durchzustarten.

Mit Weitblick und der ständigen Bereitschaft, in neue Entwicklungen zu investieren, schuf er ein auf Wachstum ausgerichtetes Unternehmen. Neben dem Zeitungsverlag, der neben dem „Harz Kurier“ auch Anzeigenblätter herausgab, entstand eine der größten Rollenoffset-Druckereien in Deutschland.

Gemeinsam mit seinem Jugendfreund und langjährigen Redaktionsleiter Adolf Bischof (1933-2016) wurde er nicht müde, mit dem „Harz Kurier“ eine Heimatzeitung herauszugeben, die die Menschen von Bad Grund bis Walkenried im heutigen Altlandkreis Osterode verbinden sollte. Der Einsatz für die Stadt und den Kreis Nordhausen war Sigfried Jungfer nach der Grenzöffnung im Herbst 1989 ein großes persönliches Anliegen. In Nordhausen eröffnete er ein Pressehaus und brachte von 1990 bis 1996 die „Nordhäuser Zeitung“ heraus.

Für Sigfried Jungfer stand bei allen Entscheidungen das Verantwortungsgefühl für die Mitarbeiter und die Sicherung der Arbeitsplätze immer an erster Stelle. Mit unermüdlichem Einsatz und großer Selbstdisziplin hat er über 50 Jahre für sein Unternehmen gearbeitet. 2007 übergab er die Rollenoffset-Druckerei durch ein Management-Buy-Out an führende Mitarbeiter. Den Verlag mit der Tageszeitung „Harz Kurier“ und den Anzeigenblättern „Echo zum Sonntag“ und „Harzer Wochenspiegel“ verkaufte er an den Braunschweiger Zeitungsverlag.

Sein Wirken war jedoch auch von harten Auseinandersetzungen, Enttäuschungen und der Sorge um das Wohlergehen seines Unternehmens geprägt. Ein schwerer Schicksalsschlag traf die Familie, als Sohn Reinhard bei einem Autounfall tödlich verunglückte. Die Kraft für seine Aufgaben fand er in der Unterstützung seiner Familie, aber auch in einem großen Freundeskreis.

Sigfried Jungfer pflegte die Geselligkeit, sein Haus in Herzberg stand immer offen für Gespräche. Zuletzt verließen ihn, den „Macher“, jedoch die Kräfte. Nun ist der Verleger und Druckunternehmer Sigfried Jungfer im Alter von 85 Jahren im Kreis seiner Familie verstorben.

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